Dialogische Modallogik
(für T, B, S4 und S5)
(Shahid Rahman und Helge Rückert)
Herrn Prof. Dr. Kuno Lorenz zum 66. Geburtstag
Zusammenfassung:
In diesem Aufsatz wird der dialogische Ansatz in der Logik, der von Paul Lorenzen angeregt, und von Kuno Lorenz für die klassische und die effektive (bzw. intuitionistische) Junktoren- und Quantorenlogik ausgearbeitet wurde, so erweitert, daß in ihm auch Modallogik betrieben werden kann.
Nach einer Einleitung wird im ersten Abschnitt das bisherige Regelwerk um die Partikelregeln für die Modaloperatoren sowie die modalen Rahmenregeln erweitert, so daß klassische und effektive modale Dialoge für die Systeme T, B, S4 und S5 gespielt werden können. Zu diesem Zweck muß das neue Konzept des Dialogkontextes eingeführt werden. Im zweiten Abschnitt werden die entsprechenden Strategientableaux dargeboten, zusammen mit Angaben, wie diese in ein bekanntes Entscheidungsverfahren übersetzt werden können. Der Aufsatz endet mit einigen Schlußbemerkungen.
Inhalt:
Einleitung
I. Modale Dialoge
a) Dialogkontexte
b)
Partikelregeln für Ñ und Ë
c)
Modale Rahmenregeln
d)
Übersicht
e) Beispiele
f) Die Barcan-Formeln
II. Modale Strategientableaux
a) Tableaux für Junktoren und Quantoren
1. Klassische Tableaux
2. Effektive Tableaux
b) Modale Tableaux
1. Modale Ergänzungen für die Tableaux-Systeme
2. Die #-Regeln
2.1. Die Regelung der Kontextbildung für T
2.2. Die Regelung der Kontextbildung für S4
2.3. Die Regelung der Kontextbildung für B
2.4. Die Regelung der Kontextbildung für S5
c) Hughes/Cresswells semantisches Entscheidungsverfahren und die Dialogische Modallogik
1. Das Entscheidungsverfahren von Hughes/Cresswell
1.1. Diagramme für T
1.2. Diagramme für S4
1.3. Diagramme für S5
2. Die Übersetzung von Strategien in das Entscheidungsverfahren von Hughes/Cresswell
Schlußbemerkungen
Anhang: Die Nicht-Verzögerungsregel
Danksagung
Literatur
Einleitung
Der
dialogische Ansatz war lange Zeit bis auf einige Ausnahmen nur für die
klassische und effektive Junktoren- und Quantorenlogik ausgearbeitet worden,
was schon durch Paul Lorenzen und Kuno Lorenz bei der Entwicklung der
Dialogischen Logik geleistet worden ist (Lorenzen/Lorenz [1978]). Zu den
wenigen Versuchen, diesen Ansatz auch für andere Teilbereiche der Logik
fruchtbar zu machen, gehören u.a. die Arbeiten von A. Fuhrmann zur
Relevanzlogik (s. z.B. Fuhrmann [1985]), sowie einige Ausführungen zur Modallogik
in Haas [1984], Kamlah/Lorenzen [1967], Krabbe [1986] und Lorenzen [1987].
Diese
Ansätze zu einer dialogischen Modallogik stellen so etwas wie Vorgänger zu
unserem Aufsatz dar, sie erscheinen uns allerdings als unbefriedigend. Einige
prinzipielle Schwächen werden in diesem Aufsatz korrigiert, indem u.a. die
folgenden Forderungen beachtet werden:
1) In der dialogischen Fassung der
Modallogik sollen zumindest die gängigsten Systeme (T, S4, S5)
rekonstruiert werden können.
2) Die Modaloperatoren (Ñ und Ë) sollen wie
die übrigen logischen Partikeln (Junktoren, Quantoren) durch Partikelregeln
eingeführt werden.
3) Der Unterschied zwischen
klassischer und effektiver Modallogik soll sich alleine durch die alternative
Verwendung der klassischen bzw. der effektiven Rahmenregel ergeben.
4) Das schon bestehende dialogische
Gerüst für die Junktoren- und Quantorenlogik soll erhalten bleiben, die
Modallogik soll also eine echte Erweiterung des schon bestehenden Ansatzes
darstellen, in der der nicht-modale Teil unverändert als Spezialfall
wiederzufinden ist.
Zunächst sei als Ausgangspunkt die
Junktoren- und Quantorenlogik im dialogischen Ansatz dargestellt:[1]
Rahmenregeln
RR 1 (Ablauf):
Ein Dialog besteht aus einer endlichen Folge von
Dialogschritten oder Zügen, in denen zwei Gesprächspartner, der Proponent P
und der Opponent O, abwechselnd Argumente (von O bzw. P
gesetzte Aussagen) gemäß den Partikelregeln und den übrigen Rahmenregeln
vorbringen. Der erste Dialogschritt ist das Setzen der These des Dialogs durch P.
Jeder weitere Dialogschritt oder Zug besteht im Vorbringen eines Arguments
durch einen der beiden Dialogpartner. Jedes Argument ist entweder ein Angriff
auf eine vorangehende Behauptung des Gegners oder eine Verteidigung auf einen
vorhergehenden gegnerischen Angriff gemäß den Partikelregeln, jedoch nicht
beides zugleich.
RR 2 (Dialogende):
Ein Dialog ist beendet, wenn dem Spieler am Zug kein
nach den Regeln erlaubtes Argument mehr zur Verfügung steht. Einen beendeten
Dialog hat derjenige gewonnen, der den letzten Zug gemacht hat, sein Gegner hat
den Dialog verloren.
RR 3 (e) (effektive Rahmenregel):
X darf nach
eigener Wahl ein beliebiges von Y (X und Y stehen für O bzw. P,
wobei X¹Y) gesetztes Argument angreifen, soweit dies die
Partikelregeln und die übrigen Rahmenregeln zulassen, oder sich auf den letzten
noch unbeantworteten Angriff von Y verteidigen.
oder
RR 3 (k) (klassische Rahmenregel):
X darf nach eigener Wahl ein beliebiges von Y
gesetztes Argument angreifen oder sich auf einen beliebigen Angriff von Y
verteidigen, soweit dies die Partikelregeln und die übrigen Rahmenregeln
zulassen.
RR 4 (keine Verzögerungen):
X darf ein Argument von Y nur dann ein weiteres Mal
angreifen bzw. sich auf einen Angriff ein weiteres Mal verteidigen (letzteres
ist nur bei klassischer Rahmenregelung erlaubt), wenn sich dadurch neue
Zugmöglichkeiten ergeben.[2]
RR 5 (formale Rahmenregel):
P darf nur solche Primaussagen als Argumente setzen,
die O bereits zuvor gesetzt hat. O darf Primaussagen jederzeit
setzen (soweit dies die Partikelregeln und die übrigen Rahmenregeln zulassen).
Primaussagen sind (im formalen Dialog) nicht angreifbar.
Partikelregeln
|
Ú, Ù, ®, ¬, Ù, Ú |
Angriff |
Verteidigung |
|
AÚB |
? |
A ----------------- B (Der Verteidiger hat die Wahl) |
|
AÙB |
?L(inks) --------------------- ?R(echts) (Der Angreifer hat die Wahl) |
A --------------------- B |
|
A®B |
A |
B |
|
¬A |
A |
Ä (Keine Verteidigung möglich. Nur Gegenangriff spielbar) |
|
ÙxA |
?n (Der Angreifer hat die Wahl) |
A[x/n]
|
|
ÚxA |
? |
A[x/n] (Der Verteidiger hat die Wahl) |
Die
angegebenen Rahmen- und Partikelregeln definieren die effektiven (bei RR 3(e))
bzw. klassischen (bei RR 3 (k)) formalen Dialogspiele.[3] Logische Gültigkeit wird
folgendermaßen definiert:
Def. Gültigkeit:
Eine Formel heiße in einer bestimmten Dialogischen
Logik gültig, wenn P unter den entsprechenden Regeln eine (formale)
Gewinnstrategie hat. (Eine Gewinnstrategie zu haben, bedeutet, zu allen
Zugwahlen des Gegners immer mindestens selbst eine Zugmöglichkeit zur Verfügung
zu haben, so daß man schließlich den Gewinn erzwingen kann.)[4]
Es kann
gezeigt werden, daß bei effektiver bzw. klassischer Rahmenregelung sich genau
die Formeln als gültig erweisen, die auch in anderen Ansätzen als effektiv bzw.
klassisch gültig gelten.[5]
(Anmerkung:
Bei den Regeln RR 3 (e) und RR 3 (k) haben wir die symmetrische Variante
angegeben. Symmetrisch deshalb, da O und P jeweils gleiche Rechte
und Pflichten haben. Es kann gezeigt werden, daß sich die Rechte von O
einschränken lassen, die Klasse der Formeln, für die P eine
Gewinnstrategie hat, aber unverändert bleibt. Der Einfachheit halber verwenden
wir im folgenden in den Beispielen die sogenannten asymmetrischen Rahmenregeln,
bei denen sich gegenüber den symmetrischen Varianten nur folgendes ändert: O
darf nur jeweils entweder den letzten Zug von P angreifen oder sich auf
diesen verteidigen.)
Beispiel 1 (bei RR 3 (e) oder RR 3 (k)):
|
O |
P |
|
(1) (a®b)Ùa 0 (3) a®b (5) a (7) b |
((a®b)Ùa)®b (0) b (8) 1 ?L (2) 1 ?R (4) 3 a (6) |
P gewinnt
Beispiel 2 (bei RR 3 (k)):
|
O |
P |
|
(1) ?n 0 (3) ? 2 (5) Pn 4 (3’) ? 2 |
Ùx(PxÚØPx) (0) PnÚØPn (2) ØPn (4) Ä Pn (6) |
P gewinnt
Anmerkungen zu den Beispielen:
Hier wie in
der Folge sind die Beispiele so einfach gewählt, daß man anhand eines Dialoges
auch direkt sehen kann, ob P eine Gewinnstrategie hat oder nicht.
Während für Beispiel 1 kein Unterschied zwischen effektiver und klassischer
Rahmenregelung besteht, ist die Formel aus Beispiel 2 nur bei letzterer
gewinnbar.
Zur
Notation: In der O-Spalte sind die Züge von O notiert, in der P-Spalte
diejenigen von P. Die Zahlen am linken und rechten Rand geben an, in
welcher Reihenfolge die Züge vorgebracht wurden. Der 0.Zug stellt das
uneigentliche Anfangsargument dar, um das in der Folge argumentiert wird.
Angriffe sind durch eine Zahl am inneren Rand gekennzeichnet, die angibt, gegen
welchen Zug sich der Angriff richtet. Die Verteidigung auf einen Angriff steht
immer in derselben Zeile wie dieser. Einen Angriff mit zugehöriger Verteidigung,
also eine komplette Zeile, bezeichnet man als Runde.[6]
(Wie in
Beispiel 2 ersichtlich kann es bei klassischer Rahmenregelung möglich sein, daß
sich P auf einen Angriff, auf den er sich zuvor schon verteidigt hat,
noch einmal (anders) verteidigt. Um für diese zweite Verteidigung in der
Notation Platz zu schaffen, wird der entsprechende Angriff noch einmal notiert.
Man beachte aber, daß es sich dabei nicht um einen Zug im Dialog handelt, was
durch einen Strich wie bei (3’) in Beispiel 2 angedeutet wird.)
I. Modale Dialoge
a) Dialogkontexte
Um die
Regeln für den Umgang mit Formeln, die Modaloperatoren enthalten, formulieren
zu können, ist es zunächst nötig, das neue Konzept ‘Dialogkontext’ einzuführen.[7] Die Dialogische Logik soll
so erweitert werden, daß ein Dialog in mehreren Dialogkontexten ablaufen kann,
d.h. daß die Züge unter unterschiedlichen Bedingungen gesetzt werden können.
Die nicht-modalen Dialoge ergeben sich so als Spezialfall, bei dem der Dialog
durchgehend im Ausgangsdialogkontext verbleibt.
Ein
Dialogkontext ist charakterisiert
1) dadurch, aus welchem anderen
Dialogkontext er innerhalb des Dialoges eröffnet worden ist,
2) durch die Züge, die von O
und P in diesem Dialogkontext gesetzt worden sind, und
3) dadurch, welche Primaussagen in
diesem Dialogkontext gesetzt werden dürfen.
Dialogkontexte
unterscheiden sich vor allem dadurch, welche Primaussagen gesetzt werden
dürfen. In der Folge wollen wir uns nur noch mit formalen Dialogen
beschäftigen, in denen P nicht weiß, welche Primaussagen sich in einem
gegebenen Dialogkontext erfolgreich verteidigen lassen. Er darf deshalb selbst
in jedem Dialogkontext nur diejenigen Primaussagen verwenden, die O in
diesem Dialogkontext schon zugestanden hat. Bei modalen Dialogen muß deshalb
die formale Rahmenregel (RR 5) auf Dialogkontexte relativiert werden:
RR 5 (m) (formale Rahmenregel für modale
Dialoge):
P darf in einem Dialogkontext nur solche
Primaussagen als Argumente setzen, die O bereits zuvor in dem selben
Dialogkontext gesetzt hat. O darf Primaussagen jederzeit setzen (soweit dies
die Partikelregeln und die übrigen Rahmenregeln zulassen). Primaussagen sind
(im formalen modalen Dialog) nicht angreifbar.
Die übrigen
Rahmenregeln bleiben in ihrer bisherigen Form bestehen.
Zur Notation:
Für spätere
Zwecke ist es günstig, ein Numerierungssystem, sowie einige Definitionen
einzuführen:
a) Der Ausgangs-Dialogkontext, in
dem die These des Dialoges gesetzt wird, erhält die Nummer 1.
b) Der erste Dialogkontext, der aus
dem Dialogkontext mit der Nummer n eröffnet wird, erhält die Nummer n.1,
der zweite die Nummer n.2, und entsprechend der m-te die Nummer n.m.[8]
c) Ein Dialogkontext n heiße
einem Dialogkontext n.m übergeordnet, entsprechend heiße n.m n
untergeordnet.
d) Ein Dialogkontext n
stellt für n.m.l einen übergeordneten Dialogkontext 2.Stufe dar, n.m.l
dagegen bzgl. n einen untergeordneten Dialogkontext 2.Stufe.
Entsprechend seien Über- und Unterordnung für beliebige Stufen definiert.
e) Bei der Notation eines modalen
Dialoges wird bei Wechsel des Dialogkontextes jeweils ein Querstrich gezogen,
und links oben in der O-Spalte die Nummer die Dialogkontextes notiert,
in dem die Argumentation fortgeführt wird.
b) Partikelregeln für Ñ und Ë
Die
Partikelregeln für den Notwendigkeits- und den Möglichkeitsoperator[9] werden folgendermaßen
eingeführt:
|
Ñ, Ë |
Angriff |
Verteidigung |
|
ÑA (in
Dialogkontext a) |
? (in
einem zulässigen Dialogkontext b, den der Angreifer wählt) |
A (in b) |
|
ËA (in
Dialogkontext a) |
? (in a) |
A (in
einem zulässigen Dialogkontext b, den der Verteidiger wählt) |
Anmerkungen:
Durch ÑA verpflichtet man sich, A in einem
Dialogkontext, den der Angreifer nach den gleich anzugebenden modalen
Rahmenregeln wählen kann, zu verteidigen. Durch ËA ist man darauf festgelegt, A in mindestens einem Dialogkontext,
den man gemäß den modalen Rahmenregeln selbst wählen kann, verteidigen zu
können.
Der Angriff
auf ein ÑA
bzw. die Verteidigung eines ËA sind die einzigen Gelegenheiten in einem Dialog, den Dialogkontext zu
wechseln. Das heißt u.a. auch, daß die in der Einleitung angegebenen
Partikelregeln für Junktoren und Quantoren für die modalen Dialoge erhalten
bleiben, mit der zusätzlichen Bestimmung, daß der angegriffene Zug, der Angriff
und die Verteidigung immer im gleichen Dialogkontext zu stehen haben.
Um das
Regelwerk für die modalen Dialoge zu komplettieren, kommen wir nun zu den
modalen Rahmenregeln, die angeben, welche Dialogkontexte bei einer
Dialogkontext-Wahl zulässig sind.
c) Modale Rahmenregeln
Wie schon zuvor
erwähnt, ist ein Dialogkontextwechsel nur im Falle eines Angriffes auf ein ÑA oder der Verteidigung eines ËA möglich. Diese beiden Fälle zusammen genommen
bezeichnen wir als Dialogkontext-Wahlen.
Die
unterschiedlichen Modallogik-Systeme T, B, S4 und S5
unterscheiden sich in ihrer dialogischen Fassung nur in den modalen
Rahmenregeln, die diese Dialogkontext-Wahlen reglementieren. Diese bestehen aus
drei Teilen, die Unterschiede ergeben sich nur aus dem dritten.
RR 6.1:
Bei einer Dialogkontext-Wahl kann O
jeden beliebigen schon vorhandenen Dialogkontext wählen oder einen neuen
eröffnen.[10]
Während O
bei Dialogkontext-Wahlen also keinerlei Beschränkungen unterliegt, darf P
nur bestimmte schon vorhandene Dialogkontexte wählen (neue Dialogkontexte
eröffnen darf er prinzipiell nicht).
Für alle
vier Systeme gilt, daß P bei einer Dialogkontext-Wahl den Dialogkontext
nicht unbedingt wechseln muß, sondern ihn auch beibehalten kann (wie es bei
Junktoren und Quantoren ja die Pflicht ist):
RR 6.2:
Bei einer Dialogkontext-Wahl ist es P
erlaubt, den Dialogkontext beizubehalten.[11]
Bzgl. der
dritten Teilregel unterscheiden sich T, B, S4 und S5:[12]
RR 6.3 (T):
Bei einer Dialogkontext-Wahl kann P
einen schon vorhandenen untergeordneten Dialogkontext 1.Stufe wählen.
RR 6.3 (B):
Bei einer Dialogkontext-Wahl kann P einen
schon vorhandenen unter- oder übergeordneten Dialogkontext 1.Stufe wählen.[13]
RR 6.3 (S4):
Bei einer Dialogkontext-Wahl kann P
einen schon vorhandenen untergeordneten Dialogkontext beliebiger Stufe wählen.[14]
RR 6.3 (S5):
Bei einer Dialogkontext-Wahl kann P
einen beliebigen schon vorhandenen Dialogkontext wählen.[15]
d) Übersicht
Die
angegebenen Regeln liefern eine dialogische Fassung der vier modallogischen
Systeme T, B, S4 und S5, jeweils in einer
effektiven und einer klassischen Variante. Der Übersichtlichkeit halber sei
kurz angegebenen, durch welche Rahmenregeln diese acht dialogischen
Modallogik-Systeme charakterisiert sind (die Partikelregeln stimmen bei allen
überein):
1) DML-T-k (Dialogische Modallogik,
System T, klassisch):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (k) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (T)
2) DML-T-e (Dialogische Modallogik,
System T, effektiv):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (e) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (T)
3) DML-B-k (Dialogische Modallogik,
System B, klassisch):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (k) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (B)
4) DML-B-e (Dialogische Modallogik,
System B, effektiv):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (e) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (B)
5) DML-S4-k (Dialogische Modallogik,
System S4, klassisch):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (k) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (S4)
6) DML-S4-e (Dialogische Modallogik,
System S4, effektiv):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (e) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (S4)
7) DML-S5-k (Dialogische Modallogik,
System S5, klassisch):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (k) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (S5)
8) DML-S5-e (Dialogische Modallogik,
System S5, effektiv):
RR 1 + RR 2
+ RR 3 (e) + RR 4 + RR 5 (m) + RR 6.1 + RR 6.2 + RR 6.3 (S5)
e) Beispiele
Es seien
einige charakteristische Beispiele durchgeführt, die die Unterschiede zwischen
den Systemen deutlich machen:
Beispiel 3 (DML-T-e):
|
1 O |
P |
|
(1) Ña 0 (3) a |
Ña®a (0) a (4) 1 ? (2) |
P
gewinnt
P
kann aufgrund der formalen Rahmenregel (RR 5 (m)) sich nicht schon im zweiten
Zug mit a verteidigen. Deshalb ist es nötig, zuerst Zug (1) von O
anzugreifen. Der Verbleib im Ausgangsdialogkontext wird dabei durch RR 6.2
ermöglicht. Diese Formel ist auch in allen sieben anderen Systemen gewinnbar.
Beispiel 4 (DML-B-e):
|
1 O |
P |
|
(1) a 0 |
a®ÑËa (0) ÑËa (2) |
|
1.1 |
|
|
(3) ? 2 (5) ? 4 |
Ëa (4) (siehe
1) |
|
1 |
|
|
(aus 1.1) |
a (6) |
P
gewinnt
Zum Gewinn
dieser Formel ist es nötig, in Zug (6) bei der Verteidigung von Ëa in den übergeordneten Dialogkontext 1
zurückzukehren. Diese Formel ist deshalb in den B- und S5-Systemen,
aber nicht in den T- und S4-Systemen gewinnbar.
(Anmerkung:
Da mit Zug (6) die Verteidigung auf den Angriff in Zug (5) in einem anderen
Dialogkontext steht als dieser, ist es hier nicht möglich, unserer
Notationskonvention zu folgen, daß Angriff und zugehörige Verteidigung immer in
der selben Zeile stehen sollen. Dies wird hier wie in der Folge durch Verweise
wie ‘(siehe 1)’ und ‘(aus 1.1)’ angedeutet.)
Beispiel 5 (DML-T-e):
|
1 O |
P |
|
|
(1) Ñ(a®b) 0 (3) Ña 2 |
Ñ(a®b)®(Ña®Ñb) (0) Ña®Ñb (2) Ñb (4) |
|
|
1.1 |
|
|
|
(5) ? 4 (7) a®b (9) a (11) b |
b (12) 1 ? (6) 3 ? (8) 7 a (10) |
|
P
gewinnt
In allen
Systemen gewinnbar.
Beispiel 6 (DML-S4-e):
|
1 O |
P |
|
(1) Ña 0 |
Ña®ÑÑa (0) ÑÑa (2) |
|
1.1 |
|
|
(3) ? 2 |
Ña (4) |
|
1.1.1 |
|
|
(5) ? 4 (7) a |
a (8) 1 ? (6) |
P
gewinnt
Zum Gewinn
dieser Formel ist es erforderlich, daß P die Möglichkeit hat, zum
Angriff auf Zug (1) den untergeordneten Dialogkontext 2.Stufe 1.1.1
aufzusuchen, was nur in den S4- und S5-Systemen erlaubt ist.
Beispiel 7 (MDL-S5-e):
|
1 O |
P |
|
(1) Ëa 0 |
Ëa®ÑËa (0) ÑËa (2) |
|
1.1 |
|
|
(3) ? 2 (5) ? 4 |
Ëa (4) (siehe
1.2) |
|
1 |
|
|
(siehe 1.2) |
1 ? (6) |
|
1.2 |
|
|
(7) a (aus 1.1) |
(aus 1) a (8) |
P
gewinnt
In Zug (8)
wird bei der Verteidigung von Ëa aus Zug (4) weder der Dialogkontext beibehalten, noch ein neuer
Dialogkontext eröffnet, oder ein schon vorhandener unter- oder übergeordneter
Dialogkontext ausgewählt, sondern ein sozusagen ‘nebengeordneter’ (1.2
gegenüber 1.1), was nur in den S5-Sytemen erlaubt ist.
Beispiel 8 (DML-T-k):
|
1 O |
P |
|
|
(1) ØÑØa 0 (3) ?
2 Ä |
ØÑØa®Ëa (0) Ëa (2) (siehe
1.1) 1 ÑØa (4) |
|
|
1.1 |
|
|
|
(5) ? 4 (7) a 6 (aus
1) |
Øa (6) Ä a (8) |
|
P
gewinnt
Zug (8) ist nur bei klassischer
Rahmenregelung erlaubt. Dieses Beispiel zeigt daher, daß im effektiven Fall
beide Modaloperatoren nötig sind, und nicht aufgrund der Gültigkeit von ØÑØA«ËA beziehungsweise ØËØA«ÑA wie im klassischen Fall auf einen reduziert
werden können.
f) Die Barcan-Formeln
Bei den bisher angegebenen Regeln sind die
sogenannten Barcan-Formeln[16] ÙxÑPx®ÑÙxPx und ËÚxPx®ÚxËPx in allen Systemen gültig:
Beispiel 9 (DML-T-e):
|
1 O |
P |
|
(1) ÙxÑPx
0 |
ÙxÑPx®ÑÙxPx (0) ÑÙxPx (2) |
|
1.1 |
|
|
(3) ? 2 (5) ?n 4 |
ÙxPx (4) Pn (10) |
|
1 |
|
|
(7) ÑPn |
1 ?n (6) |
|
1.1 |
|
|
(9) Pn |
7 ? (8) |
P
gewinnt
In allen
Systemen gültig. Der Dialog um die andere Barcan-Formel verläuft entsprechend.
Nun ist die
Gültigkeit der Barcan-Formeln aber nicht unumstritten. So hat zum Beispiel
Kripke [1963b] gegen ihre Gültigkeit argumentiert, wenn (in modelltheoretischer
Terminologie ausgedrückt) die universes of discourse der einzelnen
möglichen Welten sich unterscheiden könnten. D.h. daß es in manchen möglichen
Welten Individuen geben könnte, die in anderen nicht existieren.
Im
dialogischen Ansatz können solche ontologischen Überlegungen durch eine
Reglementierung des Gebrauchs von Konstanten im Zusammenhang mit Quantoren
umgesetzt werden.[17] Im Fall der
Barcan-Formeln kann Kripkes Idee durch die folgende Einschränkung eingefangen
werden:
Zum
Angriff auf eine Allaussage ÙxA mit
?n oder zur Verteidigung einer Einsaussage ÚxA mit A[x/n] darf P die Konstante n in einem
bestimmten Dialogkontext a nur dann benutzen, wenn diese entweder in a schon vorkommt, oder wenn sie im gesamten
Dialog noch nicht vorkommt, also gänzlich neu ist.
Jetzt ist im
obigen Dialog Zug (6) von P nicht mehr erlaubt, so daß O gewinnt.
Auch die andere Barcan-Formel ist nun nicht mehr gültig. In der Folge
beschäftigen wir uns wieder ausschließlich mit der dialogischen Modallogik ohne
diese Einschränkung.
II. Modale Strategientableaux
In der
Dialogischen Logik wird Gültigkeit mit Hilfe der Strategien definiert. Eine
Aussage ist demnach in der dialogischen Deutung der Logik gültig gdw. der
Proponent über eine Gewinnstrategie für diese Aussage verfügt. Oder anders: Die
Aussage A ist dialogisch gültig gdw. wenn A gegen alle Zugwahlen
des Opponenten formal verteidigt werden kann.
Um
eine systematische Darstellung der Strategien zu formulieren, die P
haben muß, um die Gültigkeit einer Aussage nachweisen zu können, führen wir
zunächst eine einfache Notation ein. Um die Gewinnstellungen aufzählen zu
können, unterscheiden wir zunächst die Spielstellungen, in denen P am
Zuge ist (P-Fälle), von den Fällen, in denen O am Zuge ist (O-Fälle)
- dabei wird jeweils ein Angriffs- und der entsprechende Verteidigungszug zu
einer Runde zusammengestellt. Wenn sowohl in den O-Fällen als auch in
den P-Fällen P die Wahl über den weiteren Dialogverlauf hat,
genügt es, wenn er bei nur einem Dialogverlauf gewinnen kann. Wenn dagegen O
die Wahl hat, muß P alle möglichen Dialogverläufe gewinnen können. Man
kann hiernach Regeln für den Dialogverlauf aufstellen, die immer nur von
Gewinnstellungen zu Gewinnstellungen führen. So verzweigt sich z.B. die
strategische Gewinnregel für die Adjunktion beim P-Fall, nicht aber beim
O-Fall:
|
O-Regel |
P-Regel |
||
|
Opponent |
Proponent |
Opponent |
Proponent |
|
... AÚB A | B |
... <?> |
... <?> |
... AÚB A |
|
|
|
... <?> |
... AÚB B |
|
Da hier O die Wahl hat, gilt: Hat P Gewinnstrategien für
beide Verteidigungen, so kann er immer gewinnen. |
Hier hat P die Wahl: Hat er eine Gewinnstrategie für
mindestens einen Dialogverlauf, so kann er immer gewinnen. |
||
Erläuterung: Angriffe, die selbst keine angreifbaren
Formeln darstellen (Anfragen), klammern wir mit Hilfe der Zeichnen ‘<’ und
‘>’ ein. Nun zur Subjunktion:
|
O-Regel |
P-Regel |
||
|
Opponent |
Proponent |
Opponent |
Proponent |
|
... A®B ...| B |
... A |... |
... A |
... A®B [B] |
|
Wenn O die Subjunktion A®B als Argument vorgebracht hat, greift P mit A an. O
kann A angreifen oder sich mit B verteidigen. P muß also
eine Gewinnstrategie für beide Wahlen von O haben. |
Hier ist B in eckige Klammern gesetzt, da P nicht
unmittelbar mit B antworten muß. Er kann zunächst die bisherigen
Argumente (einschließlich A) von O angreifen - er bleibt dabei
aber zu der Verteidigung von B verpflichtet, es sei denn, der Dialog
kommt vorher zu einem Ende. |
||
Die Strategieregeln können im
Falle der anderen Junktoren auf ähnliche Weise angegeben werden:
|
O-Regel |
P-Regel |
||
|
Opponent |
Proponent |
Opponent |
Proponent |
|
... ØA |
... A |
... A |
... ØA |
|
Opponent |
Proponent |
Opponent |
Proponent |
|
... AÙB A |
... <?L> |
... <?L> | <?R> |
... AÙB A | B |
|
... AÙB B |
... <?R> |
|
|
Für die
Quantoren müssen noch die folgenden strategischen Überlegungen betrachtet
werden: Wenn O eine Konstante auswählen kann, dann wird er, um die
Spielweise von P zu erschweren, der, um eine gewonnene Endstellung mit
Primaussagen erreichen zu können, eventuell auf die Züge von O
angewiesen ist, immer eine neue Konstante auswählen, also eine, die noch
nicht im Dialog vorkam. P dagegen, wird aus analogen Gründen versuchen,
keine neuen Konstanten einzuführen (vgl. Fußnote 10).
O
wählt die Konstante, wenn P eine Allaussage als Argument vorgebracht
hat, und wenn er selbst eine Einsaussage behauptet hat, die er gegen einen Angriff
von P verteidigt:
|
O-Regel |
P-Regel |
||
|
Opponent |
Proponent |
Opponent |
Proponent |
... ÚxA A[x/n] (n
ist neu) |
... <?> |
... <?n> (n
ist neu) |
... ÙxA A[x/n] |
P dagegen wählt die
Konstante, wenn O eine Allaussage als Argument vorgebracht hat, und wenn
er selbst eine Einsaussage behauptet hat, die er gegen einen Angriff von O
verteidigt:
O-Regel |
P-Regel |
||
|
Opponent |
Proponent |
Opponent |
Proponent |
... <?> |
... ÚxA A[x/n] (n
muß nicht neu sein) |
... ÙxA A[x/n] |
... <?n> (n
muß nicht neu sein) |
Nun bleibt
schließlich der Fall der Primaussagen zu betrachten, der die für P
gewonnenen Endstellungen definiert. P hat eine formale Gewinnstrategie
um eine von O gesetzte Primaussage (O-Regel), wenn er selbst
diese Primaussage als Argument verwenden kann. P hat eine formale
Gewinnstrategie um eine von ihm gesetzte Primaussage (P-Regel), wenn O
sie zuvor selbst als Argument vorgebracht hat. Mit anderen Worten, die
Gewinnstrategie um eine Primaussage fällt bei der O-Regel mit der
Strategie bei der P-Regel zusammen:
|
Opponent |
Proponent |
|
... a |
... a |
a) Tableaux für Junktoren und Quantoren
Von diesen Überlegungen
ausgehend lassen sich zwei Tableaux-Systeme - eines für die klassische und
eines für die effektive Junktoren- und Quantorenlogik - aufbauen, die den
Zusammenhang zwischen Dialogischer Logik und semantischen Tableaux herstellen.
(Hier ist aber zu beachten, daß beim dialogischen Ansatz die Tableaux durch die
Partienebene begründet werden. Genauer: Die Partikel- und Rahmenregeln der
Partienebene legen die pragmatische Semantik fest, die auf der Strategieebene
der Tableaux, auf der der Begriff der Gültigkeit angesiedelt ist, vorausgesetzt
wird.)
1. Klassische Tableaux
|
(O)-Fall |
(P)-Fall |
|
(O)AÚB |
(P)AÚB |
|
------------------------------------ |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A | <(P)?>(O)B |
<(O)?>(P)A {<(O)?>(P)B} |
|
|
|
|
(O)AÙB |
(P)AÙB |
|
--------------------- |
--------------------------------------- |
|
<(P)?L>(O)A {<(P)?R>(O)B} |
<(O)?L>(P)A | <(O)?R>(P)B |
|
|
|
|
(O)A®B |
(P)A®B |
|
------------------------------- |
------------------- |
|
(P)A, ... | <(P)A>(O)B |
(O)A, (P)B |
|
|
|
|
(O)¬A |
(P)¬A |
|
------------------ (P)A, Ä |
--------------- (O)A, Ä |
|
|
|
|
(O)ÙxA |
(P)ÙxA |
|
-------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?n>(O)A[x/n] (n muß nicht neu sein) |
<(O)?n>(P)A[x/n] (n ist neu) |
|
|
|
|
(O)Ú xA |
(P)Ú xA |
|
-------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A[x/n] (n ist neu) |
<(O)?>(P)A[x/n] (n muß nicht neu sein) |
Erläuterungen:
Die
geschweiften Klammern sollen darauf hinweisen, daß wenn P eine
Gewinnstrategie für A hat, die Verteidigung mit B nicht nötig
ist, und umgekehrt. Die Schließungsregeln sind die üblichen: Ein Baum ist
geschlossen, wenn alle Zweige geschlossen sind. Ein Zweig ist genau dann
geschlossen, wenn er ein Paar der Form (O)a, (P)a enthält. In der
Sprache der Dialoge: P hat eine Gewinnstrategie für einen möglichen
Dialogverlauf (= Zweig) gdw. dieser Dialog mit einer Primaussage von P
endet, die vorher von O gesetzt wurde.
2. Effektive Tableaux
Die Regeln
für die effektiven Tableaux enthalten an bestimmten Stellen Formeln mit dem
tiefgestellten Suffix ‘(O)’ (z.B. (P)(O)A).
Die Anwendung solcher Regeln bewirkt, daß sämtliche vorher gesetzten P-bezeichneten
Formeln, die auf dem selben Zweig vorkommen, gelöscht werden (durch
Ausstreichen dargestellt).[18] Dadurch wird die
effektive Rahmenregel von der Partienebene auf die Strategieebene übertragen.
Um diese Übertragung zu leisten, genügt es, wenn man (O) bei der P-Verteidung
allquantifizierter Aussagen sowie bei den Junktoren einsetzt, bei denen P
das Recht hat, die dazugehörige Angriffsbehauptung von O selbst
anzugreifen - das heißt bei der Subjunktion und der Negation.
|
(O)-Fall |
(P)-Fall |
|
(O)AÚB |
(P)AÚB |
|
------------------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A | <(P)?>(O)B |
<(O)?>(P)A {<(O)?>(P)B)} |
|
|
|
|
(O)AÙB |
(P)AÙB |
|
--------------------- |
------------------------------- |
|
<(P)?L>(O)A {<(P)?R>(O)B} |
<(O)?L>(P)A | <(O)?R>(P)B |
|
|
|
|
(O)A®B |
(P)A®B |
|
------------------------------- |
------------------- |
|
(P)A | <(P)A>(O)B |
(O)(O)A (P)B |
|
|
|
|
(O)¬A |
(P)¬A |
|
------------------ |
--------------- |
|
(P)A, Ä |
(O)(O)A, Ä |
|
|
|
|
(O)ÙxA |
(P)ÙxA |
|
-------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?n>(O)A[x/n] (n muß nicht neu sein) |
<(O)?n>(P)(O)A[x/n] (n ist neu) |
|
|
|
|
(O)Ú xA |
(P)Ú xA |
|
-------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A[x/n] (n ist neu) |
<(O)?>(P)A[x/n] (n muß nicht neu sein) |
Wir haben
damit Strategien für symmetrische Rahmenregeln aufgestellt, haben aber bei den
Beispielen die asymmetrischen Rahmenregeln angewendet. Nun kann aber gezeigt
werden, daß eine Aussage, die bei symmetrischer Rahmenregelung gewinnbar ist,
auch bei asymmetrischer Rahmenregelung gewinnbar ist, und umgekehrt - der
symmetrische Fall erlaubt nur zusätzliche Züge, die strategisch betrachtet
redundant sind.[19]
Um asymmetrische effektive Strategientableaux zu bilden, genügt es, wenn man (O)
bei jeder P-Regel einsetzt. Dies ergibt folgendes System:
|
(O)-Fall |
(P)-Fall |
|
(O)AÚB |
(P)AÚB |
|
------------------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A | <(P)?>(O)B |
<(O)?>(P)(O)A {<(O)?>(P)(O)B} |
|
|
|
|
(O)AÙB |
(P)AÙB |
|
--------------------- |
------------------------------- |
|
<(P)?L>(O)A {<(P)?R>(O)B} |
<(O)?L>(P)(O)A | <(O)?R>(P)(O)B |
|
|
|
|
(O)A®B |
(P)A®B |
|
------------------------------- |
------------------- |
|
(P)(O)A | <(P)A>(O)B |
(O)(O)A (P)B |
|
|
|
|
(O)¬A |
(P)¬A |
|
------------------ (P)(O)A, Ä |
--------------- (O)(O)A, Ä |
|
|
|
|
(O)ÙxA |
(P)ÙxA |
|
-------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?n>(O)A[x/n] (n muß nicht neu sein) |
<(O)?n>(P)(O)A[x/n] (n ist neu) |
|
|
|
|
(O)Ú xA |
(P)Ú xA |
|
-------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A[x/n] (n ist neu) |
<(O)?>(P)(O)A[x/n] (n muß nicht neu sein) |
|
|
|
b) Modale Tableaux
Für die
Modallogik muß noch die folgende strategische Überlegung ergänzt werden:[20] Wenn O einen
Dialogkontext wählen kann, dann wird er, um die Spielweise von P zu
erschweren, immer einen neuen eröffnen. P dagegen ist es nicht erlaubt,
neue Dialogkontexte zu eröffnen, und er wird daher immer schon vorhandene
auswählen müssen.[21] O kann in den
folgenden zwei Fällen einen Dialogkontext wählen, in denen er daher einen neuen
Dialogkontext eröffnet:
1. O greift eine Ñ-Aussage von P an, und
2. O verteidigt sich auf einen Angriff gegen eine Ë-Aussage.
Um eine
Systematik für die Strategientableaux aufzubauen, ist es nötig, diese Fälle
durch eine geeignete Regel einbauzubauen, die besagt, daß immer wenn O
die Wahl hat, er sich für einen Dialogkontextwechsel entscheidet.
Um die
modalen Rahmenregeln, die sich auf die Dialogkontext-Wahlen beziehen, für die
unterschiedlichen Modallogiken einzufangen, müssen die folgenden Maßnahmen für
die Bildung neuer Dialogkontexte in den Strategiesystemen beachtet werden:
a) Die Behauptungen, um die auch im
neuen Kontext argumentiert werden darf, werden diesem hinzugefügt.
b) Die Behauptungen, um die im
neuen Kontext nicht mehr argumentiert werden darf, werden im neuen Kontext
nicht niedergeschrieben.
Dies ergibt
folgende Fälle, die die oben beschriebenen Tableaux um die Regeln für die Modaloperatoren
ergänzen:
1. Modale
Ergänzungen für die Tableaux-Systeme
|
(O)-Fall |
(P)-Fall |
|
(O)ÑA |
(P)ÑA |
|
------------------- |
-------------------- |
|
<(P)?>(O)A |
<(O)?>(P)#A |
|
|
|
|
(O)ËA |
(P)ËA |
|
--------------------- |
------------------------- |
|
<(P)?>(O)#A |
<(O)?>(P)A |
Das
hochgestellte Zeichen '#' soll auf die Bildung eines neuen Kontextes hinweisen.
Wir nennen Formeln der Form (P)ÑA und (O)ËA #-Formeln, ihre Teilformeln A entsprechend auch #-Teilformeln.
Die anderen Modalformeln, die keine Neubildung eines Kontextes erfordern,
nennen wir normale Modalformeln.
Die Neubildung
von Dialogkontexten muß durch ein geeignetes Verfahren für die Hinzufügung
(beziehungsweise Nicht-Hinzufügung) der vorherigen Formeln ergänzt werden. Wir
nennen die Regeln, die die genauen Schritte dieses Verfahrens vorschreiben, #-Regeln.
Nun müssen wir die #-Regel für jedes Modallogik-System gesondert studieren:
2. Die #-Regeln
2.1. Die Regelung der Kontextbildung für T
T #-Regel:
Wenn in einem Kontext eine normale
Modalformel (O)ÑA (bzw. (P)ËA) vorkommt, so kann (O)A (bzw. (P)A) in jeden
untergeordneten Kontext erster Stufe übernommen werden. Keine anderen Formeln
außer diesen und der Teilformel der #-Formel, die die Neubildung des Kontextes
erfordert hat, können im neuen Kontext verwendet werden.
Sehen wir
uns Beispiel 5 wieder an, und fügen eine Numerierung hinzu, die die Runden
zählt:
Beispiel 10:
|
1 O |
|
P |
|
(1) Ñ(a®b) 0 (3) Ña 2 |
0 I II |
Ñ(a®b)®(Ña®Ñb) (0) Ña®Ñb (2) Ñb (4) |
|
1.1 |
|
|
|
(5) ? 4 (7) a®b (9) a (11) b |
III IV V VI |
b (12) 1 ? (6) 3 ? (8) 7 a (10) |
P
gewinnt
Das
entsprechende (effektive symmetrische) Strategientableau lautet:
1
(0) (P)Ñ(a®b)®(Ña®Ñb)
(I.1) (O)(O)Ñ(a®b)
(I.2) (P)Ña®Ñb
Die
effektive Löschregel in (I.1) bewirkt, daß die Zeile (0) durchgestrichen wird:
1
(0) (P)Ñ(a®b)®(Ña®Ñb)
(I.1) (O)(O)Ñ(a®b)
(I.2) (P)Ña®Ñb
(II.1) (O)(O)Ña
(II.2) (P)Ñb
Hier wird
wiederum die Löschregel wirksam:
1
(0) (P)Ñ(a®b)®(Ña®Ñb)
(I.1) (O)(O)Ñ(a®b)
(I.2) (P)Ña®Ñb
(II.1) (O)(O)Ña
(II.2) (P)Ñb
(III) <(O)?>(P)#b
Jetzt wird
die T #-Regel angewendet:
1
(0) (P)Ñ(a®b)®(Ña®Ñb)
(I.1) (O)(O)Ñ(a®b)
(I.2) (P)Ña®Ñb
(II.1) (O)(O)Ña
(II.2) (P)Ñb
1.1
(III) <(O)?>(P)#b
(IV) <(P)?>(O)(a®b)
(V) <(P)?>(O)a
(VI) (P)(O)a,
... I (VII) <(P)a>(O)b
Der Baum ist geschlossen.
P hat
eine Gewinnstrategie für Ñ(a®b)®(Ña®Ñb), weil in 1.1 die Teilformeln der normalen
Modalformlen (O)(O)Ñ(a®b) und (O)(O)Ña aus 1 übernommen werden durften.
2.2. Die Regelung der Kontextbildung für S4
S4#-Regel:
Wenn in einem Kontext eine normale
Modalformel (O)ÑA (bzw. (P)ËA) vorkommt, so kann (O)A (bzw. (P)A) in jeden
untergeordneten Kontext beliebiger Stufe übernommenen werden. Keine anderen
Formeln außer diesen und der Teilformel der #-Formel, die die Neubildung des
Kontextes erfordert hat, können im neuen Kontext verwendet werden.
Sehen wir
das effektive symmetrische Strategientableau für Beispiel 6, diesmal ohne
Kommentare:
Beispiel 11:
1
(0) (P)Ña®ÑÑa
(I.1) (O)(O)Ña
(I.2) (P)ÑÑa
1.1
(II) <(O)?>(P)#Ña
1.1.1
(III) <(O)?>(P)#a
(IV) <(P)?>(O)a
Der
Baum ist geschlossen.
2.3. Die Regelung
der Kontextbildung für B
B #-Regel:
Wenn in einem Kontext eine normale
Modalformel (O)ÑA (bzw. (P)ËA) vorkommt, so kann (O)A (bzw. (P)A) in jeden
unter- oder übergeordneten Kontext erster Stufe übernommen werden. Keine
anderen Formeln außer diesen und der Teilformel der #-Formel, die die
Neubildung des Kontextes erfordert hat, können im neuen Kontext verwendet
werden.
Sehen wir
Beispiel 4 als (effektives symmetrisches) Strategientableau:
Beispiel 12:
1
(0) (P)a®ÑËa
(I.1) (O)(O)a
(I.2) (P)ÑËa
1.1
(II) <(O)?>(P)#Ëa
1
(III) <(O)?>(P)a
Der Baum ist geschlossen.
2.4. Die Regelung
der Kontextbildung für S5
S5#-Regel:
Wenn in einem Kontext eine normale
Modalformel (O)ÑA (bzw. (P)ËA) vorkommt, so kann (O)A (bzw. (P)A) in jeden
beliebigen Kontext übernommen werden. Keine anderen Formeln außer diesen und
der Teilformel der #-Formel, die die Neubildung des Kontextes erfordert hat,
können im neuen Kontext verwendet werden.
Sehen wir das klassische symmetrische
Strategientableau für ËËa®ÑËa:
Beispiel 13:
1
(0) (P)ËËa®ÑËa
(I.1) (O)ËËa
(I.2) (P)ÑËa
1.1
(II) <(O)?>(P)#Ëa
1.2
(IV) <(P)?>(O)#Ëa
1.2.1
(V) <(P)?>(O)#a
(III) <(O)?>(P)a
Der
Baum ist geschlossen.
c) Hughes/Cresswells
semantisches Entscheidungsverfahren und die Dialogische Modallogik
Die
Beziehung zwischen Kripkes Modellen[22] und der klassischen
Dialogischen Modallogik sollte spätestens bei den Strategien-Tableaux klar
geworden sein. Hier werden wir ein Übersetzungsverfahren von unserem
Strategiensystem in Hughes/Cresswells Entscheidungsverfahren angeben. Dieses
Übersetzungsverfahren soll den Zusammenhang zwischen den Strategien für
klassische Junktorenmodallogik mit den entsprechenden Kripke-Modellen für T,
S4 und S5 explizit herstellen.[23]
1. Das Entscheidungsverfahren von Hughes/Cresswell
Dieses
semantische Verfahren beruht auf der Methode des indirekten Beweises.[24]
Man nimmt an, daß die Hauptformel falsch ist, und versucht danach durch
Berechnung der Wahrheitswerte (in der Folge ‘Â’ für ‘wahr’ und ‘Á’ für ‘falsch’) der Teilformeln
einen Widerspruch zu erzeugen. Wenn dies nicht gelingt, ist die Formel gültig.
Um diese wohlbekannte Methode auf die Modallogik anwenden zu können, arbeiten
Hughes/Cresswell mit Diagrammen, die Kästchen beinhalten, die die möglichen
Welten des modelltheoretischen Ansatzes repräsentieren. Die unterschiedlichen
Modallogiken werden jeweils durch eine Regel charakterisiert, die angibt, wann
ein neues Kästchen gebildet wird, und welche Formeln mit welchen
Wahrheitswerten in dem (alten und dem) neuen Kästchen niedergeschrieben werden.[25]
Ein neues
Kästchen soll gebildet werden:
1. wenn eine Ñ-Formel mit dem
Wahrheitswert Á
signiert ist, und
2. wenn eine Ë-Formel mit dem
Wahrheitswert Â
signiert ist.
Wir nennen wiederum
diese Formeln #-Formeln. Die anderen Modalformeln, die keine Neubildung
von Kästchen erfordern, nennen wir wieder normale Modalformeln. Wenn ein neues
Kästchen aufgrund einer #-Formel im Ausgangskasten w.1 gebildet wird, ist
dieses neue Kästchen aus w.1 zugänglich. Wir übernehmen hier zunächst die
Notationsvereinbarung für Dialogkontexte, die jetzt auf die Bildung von
Kästchen angewendet wird:
Über- und Unterordung der Kästchen:
a) Das Ausgangs-Kästchen erhält die
Nummer w.1.
b) Das erste Kästchen, das aus dem
Kästchen mit der Nummer w.n eröffnet wird, erhält die Nummer w.n.1,
das zweite die Nummer w.n.2, und entsprechend das m-te die Nummer
w.n.m.
c) Ein Kästchen w.n heiße
einem Kästchen w.n.m übergeordnet, entsprechend heiße w.n.m w.n
untergeordnet.
d) Ein Kästchen w.n stellt
für w.n.m.l ein übergeordnetes Kästchen 2.Stufe dar, w.n.m.l
dagegen bzgl. w.n ein untergeordnetes Kästchen 2.Stufe. Entsprechend
seien Über- und Unterordnung für beliebige Stufen definiert.
1.1 Diagramme für T
T-Regel:
Wenn in einem Kästchen eine Modalformel ÑA (bzw. ËA) mit
dem Wahrheitswert Â
(bzw. Á)
vorkommt, so muß A mit dem selben Wahrheitswert in diesem Kästchen und in jedem
untergeordneten Kästchen erster Stufe niedergeschrieben werden.
Beispiel 14:
w.1
ÂÑÂ(ÂaÙÂb)®ÁÑÑÂ(ÂËÂa®ÂËÂb)
#
w.1.1
Â(ÂaÙÂb)
ÁÑÂ(ÂËÂa®ÂËÂb)
#
w.1.1.1
Á(ÂËÂa®ÁËÁb)
Erläuterungen:
In diesem Diagramm soll das Zeichen ‘#’ die Formeln signalisieren, die die
Bildung eines neuen Kästchens erfordern. In w.1.1 wurde die Teilformel der
normalen Modalformel ÂÑ(aÙb) mit dem von der T-Regel geforderten Wahrheitswert
niedergeschrieben. Die zweite Formel in w.1.1 ist die Teilformel der #-Formel ÁÑÑ(Ëa®Ëb). In w.1.1.1 wurde die Teilformel der
#-Formel ÁÑ(Ëa®Ëb) niedergeschrieben.
Nun ist es
offensichtlich, daß in diesem Beispiel kein Widerspruch erzeugt werden konnte.
Die Formel Ñ(aÙb)®ÑÑ(Ëa®Ëb) ist also nicht T-gültig. Sie wäre
gültig wenn, man Â(ÂaÙÂb) auch in w.1.1.1 übertragen dürfte. Also
dann, wenn man die Teilformel der modalen Normalformel Â(aÙb) auch in ein untergeordnetes Kästchen zweiter Stufe übernehmen dürfte.
Dies ist der Fall bei dem Entscheidungsverfahren für S4:
1.2. Diagramme für S4
S4-Regel:
Wenn in einem Kästchen eine Modalformel ÑA (bzw. ËA) mit
dem Wahrheitswert Â
(bzw. Á)
vorkommt, so muß A mit dem selben Wahrheitswert in diesem Kästchen und in jedem
untergeordneten Kästchen beliebiger Stufe niedergeschrieben werden.
Diese Regel
ergibt für das oben angegebene Beispiel das folgende Diagramm:
Beispiel 15:
w.1
ÂÑÂ(ÂaÙÂb)®ÁÑÑÂ(ÂËÂa®ÂËÂb)
#
w.1.1
Â(ÂaÙÂb)
ÁÑÂ(ÂËÂa®ÂËÂb)
#
w.1.1.1
Â(ÂaÙÂb)
Á(ÂËÂa®ÁËÁb)
Erläuterungen:
In w.1.1.1 kommt ein Widerspruch vor, nämlich Âb,
Áb (im Diagramm wurde der Widerspruch durch Unterstreichen hervorgehoben).
Die Formel Ñ(aÙb)®ÑÑ(Ëa®Ëb) ist also S4-gültig.
1.3. Diagramme für S5
S5-Regel:
Wenn in einem Kästchen eine Modalformel ÑA (bzw. ËA) mit
dem Wahrheitswert Â
(bzw. Á)
vorkommt, so muß A mit dem selben Wahrheitswert in diesem Kästchen und in jedem
anderen Kästchen niedergeschrieben werden.
Die
Anwendung des Entscheidungsverfahrens auch für S5 stellt keine
zusätzlichen Probleme, so daß wir uns hier erlauben, auf ein Beispiel zu
verzichten.
2. Die Übersetzung von Strategien in das Entscheidungsverfahren von
Hughes/Cresswell
Mit den
schon getroffenen Notationsvereinbarungen dürfte der Zusammenhang zwischen dem
Entscheidungsverfahren von Hughes/Cresswell und den Strategientableaux
offensichtlich sein:
1. P-Formeln entsprechen Á-Formeln.
2. O-Formeln entsprechen Â-Formeln.
3. Kontexte entsprechen Kästchen
(einschließlich der dazugehörigen Numerierung).
Wenn diese
Übersetzungen durchführt sind, ergibt sich außerdem, daß
4. die strategischen #-Formeln den
#-Formeln des Entscheidungsverfahren entsprechen, und
5. die strategischen #-Regeln den
#-Regeln des Entscheidungsverfahren entsprechen.
Sehen wir
dies noch an einem Beispiel. Dazu wollen wir das Beispiel 13 in Kästchenform
darstellen:
Beispiel 16:
w.1
(P)ËËa®ÑËa
(O)ËËa
(P)ÑËa
w.1.1 w.1.2
|
<(O)?>(P)#Ëa |
|
<(P?>(O)#Ëa |
|
|
|
|
w.1.2.1
<(O)?>(P)a <(P)?>(O)a
Schlußbemerkungen
In diesem
Aufsatz haben wir Vorschläge gemacht, den dialogischen Ansatz in der Logik so
zu erweitern, daß in ihm auch Modallogik betrieben werden kann. Dabei haben wir
uns auf die gängigsten modallogischen Systeme T, B, S4 und
S5 beschränkt. Eine dialogische Rekonstruktion auch weiterer der vielen
bekannten Modallogiken sollte auf Grundlage dieser Vorschläge möglich sein.
Was ist aber
durch eine dialogische Fassung der Modallogik (neben den effektiven Versionen
der rekonstruierten Systeme) gewonnen? Wir möchten hier kurze Hinweise geben,
wie die im dialogischen Ansatz vorhandenen Differenzierungen, die nun auch für
die Modallogik zur Verfügung stehen, ausgenutzt werden können.[26]
1. Die Unterscheidung
Partienebene/Strategieebene:
Die
Unterscheidung zwischen der Ebene der Partien, auf der Sinn- bzw.
Bedeutungsfragen angesiedelt werden können, und der Ebene der Strategien, auf
der Geltungsfragen angesiedelt werden können, ist in dieser Form in anderen
Ansätzen in der Logik nicht verfügbar.[27] In einer früheren Arbeit
haben wir gezeigt, wie sie für theoretische Zwecke fruchtbar gemacht werden
kann.[28]
2. Die Unterscheidung
Partikelregeln/Rahmenregeln:
Das
differenzierte Regelwerk der Dialogischen Logik erlaubt es, unterschiedliche
Logiken dadurch zu erhalten, daß man unter Beibehaltung der immer gleichen
Partikelregeln bestimmte Rahmenregeln abändert oder hinzufügt.[29] So unterscheiden sich
z.B. die klassische und die effektive Version einer Logik immer nur in einer
bestimmten Rahmenregel, und Arbeiten zur dialogischen parakonsistenten und
freien Logik wurden wiederum andere Rahmenregeln hinzugefügt oder geändert, um
die Hauptideen dieser Logiken im dialogischen Ansatz umzusetzen.[30] Da die Änderungen an
unterschiedlichen Stellen im Regelwerk stattfinden, ist es im dialogischen
Ansatz sehr einfach, Logiken zu kombinieren.[31] So können die in den
anderen Aufsätzen vorgeschlagenen Rahmenregeländerungen zur hier vorgestellten
dialogischen Modallogik hinzugefügt werden, um dadurch sehr einfach zum
Beispiel eine parakonsistente oder eine freie Modallogik zu erhalten.
Anhang: Die
Nicht-Verzögerungsregel
In diesem
Anhang soll die sogenannte Nicht-Verzögerungsregel etwas ausführlicher
diskutiert und formuliert werden. Im Haupttext lautet sie folgendermaßen:
RR 4 (keine Verzögerungen):
X darf ein Argument von Y nur dann ein weiteres Mal
angreifen bzw. sich auf einen Angriff ein weiteres Mal verteidigen (letzteres
ist nur bei klassischer Rahmenregelung erlaubt), wenn sich dadurch neue
Zugmöglichkeiten ergeben.[32]
Die
Hauptidee hinter dieser Regel ist, daß in einem Dialog nur Züge gemacht werden
dürfen, die die Spielsituation verändern. Dies wäre nur dann nicht der Fall,
wenn auch Wiederholungen von Angriffen oder Verteidigungen zugelassen würden,
die zu bloßen Wiederholungen von schon gespielten Zugfolgen führen. Zunächst
muß definiert werden, was Verteidigungs- und Angriffswiederholungen (im
strikten Sinne) sind:
1. Verteidigungswiederholungen
In den
folgenden Fällen handelt es sich um Verteidigungswiederholungen (im strikten
Sinne):
a. Ein Angriff, der schon
verteidigt wurde, wird noch einmal mit der selben Verteidigung beantwortet.
b. Ein Angriff auf einen Existenzquantor,
der schon unter Verwendung einer damals neuen Konstante verteidigt wurde, wird
noch einmal unter Verwendung einer neuen Konstante verteidigt.
c. Ein Angriff auf einen
Möglichkeitsoperator, der schon unter Eröffnung eines neuen Dialogkontextes verteidigt
wurde, wird noch einmal unter Eröffnung eines neuen Dialogkontextes verteidigt.
2. Angriffswiederholungen
In den
folgenden Fällen handelt es sich um Angriffswiederholungen (im strikten Sinne):
a. Eine Formel wird angegriffen,
obwohl die gleiche Formel (aus dem selben Dialogkontext) schon mit dem gleichen
Angriff angegriffen wurde.
b. Ein Allquantor wird unter
Verwendung einer neuen Konstante angegriffen, obwohl der gleiche Allquantor
(aus dem selben Dialogkontext) schon unter Verwendung einer damals neuen
Konstante angegriffen wurde.
c. Ein Notwendigkeitsoperator wird
unter Eröffnung eines neuen Dialogkontextes angegriffen, obwohl der gleiche
Notwendigkeitsoperator (aus dem selben Dialogkontext) schon unter Eröffnung
eines damals neuen Dialogkontextes angegriffen wurde.
Da durch
Angriffs- und Verteidigungswiederholungen prinzipiell keine neuen Formeln ins
Spiel kommen können, stellt sich zunächst die Frage, ob denn dann überhaupt
durch sie die Spielsituation geändert werden kann. Dies ist nicht bei
klassischer Rahmenregelung, sondern nur bei intuitionistischer Rahmenregelung
der Fall, nämlich dann, wenn durch eine Angriffswiederholung ein Angriff zum
letzten noch nicht verteidigten Angriff wird, der zuvor nicht der letzte noch
nicht verteidigte Angriff war.[33] Dies kann dem Proponenten
aber nur dann Vorteile einbringen, wenn seit dem wiederholten Angriff der
Opponent neue Zugeständnisse gemacht hat, auf die P wegen der formalen
Rahmenregel angewiesen ist.[34] Aufgrund dieser
Überlegungen gelangen wir zur folgenden Einschränkung bzgl. Angriffs- und
Verteidigungswiederholungen:
Restriktionen für Angriffs- und
Verteidigungswiederholungen:
Verteidigungswiederholungen (im strikten Sinne) sind
grundsätzlich nicht erlaubt.
Angriffswiederholungen (im strikten
Sinne) sind nur dem Proponenten bei intuitionistischer Rahmenregelung erlaubt,
und zwar nur dann, wenn der Opponent seit dem zu wiederholenden Angriff eine
neue Primformel eingeführt hat, oder wenn er seit dem zu wiederholenden Angriff
einen Dialogkontext als zugelassen ausgewiesen hat, der zuvor noch nicht als
zugelassen bekannt war.
3. Eine Schwierigkeit
In den
Modallogiksystemen mit Transitivität der Zugelassenheitsrelation zwischen den
Dialogkontexten, muß dem Opponenten noch folgender Fall untersagt werden:
Der Opponent
eröffnet einen neuen Dialogkontext, um einen Notwendigkeitsoperator
anzugreifen, obwohl der gleiche Notwendigkeitsoperator aus einem übergeordneten
Dialogkontext schon unter Eröffnung eines damals neuen Dialogkontextes
angegriffen wurde.[35]
Danksagung
Die in
diesem Aufsatz entwickelte Dialogische Modallogik haben wir im Ansatz zum
ersten Mal in einem im Sommersemester 1998 unter dem Titel Erweiterungen der
Dialogischen Logik an der Universität des Saarlandes von uns gehaltenen
Seminar vorgestellt. Wir möchten uns bei allen Teilnehmern dieses Seminars
recht herzlich bedanken, insbesondere bei Jung-Bae Son, der bei der
Vorbereitung einer früheren Fassung mitgearbeitet hat.
Ebenso
möchten wir uns bei allen bedanken, die diese frühere Fassung gelesen, und uns
mit ihren Anmerkungen weitergeholfen haben. So danken wir Prof. Marcel
Guillaume (Clermont-Ferrand) und Prof. Erik Krabbe (Groningen) für Ihre
nützlichen Hinweise und Anregungen, Prof. Jacques Dubucs (Paris-Sorbonne), der
uns auf einige mögliche Unklarheiten in bezug auf die Formulierung der modalen
Rahmenregeln aufmerksam gemacht hat, Prof. Ulrich Nortmann (Bonn/Saarbrücken)
für seine Anmerkungen zur Nicht-Verzögerungsregel, sowie einem anonymen Referee
für sein ausführliches Gutachten.
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[1] Eine mathematisiertere Formulierung der dialogischen Junktoren- und Quantorenlogik findet sich z.B. in Felscher [1986].
[2] Diese Regel, die mit ähnlichem Wortlaut auch schon in Fuhrmann [1985] verwendet wurde, birgt einige Probleme. Im Anhang findet sich eine ausführlichere Formulierung.
[3] Formal deshalb, weil eine formale Rahmenregel verwendet wird, im Gegensatz zu materialen Dialogspielen, die in diesem Aufsatz nicht betrachtet werden.
[4] Der Begriff der Gewinnstrategie kann mit Hilfe einer rekursiven Definition folgendermaßen präzisiert werden: Es gibt eine Gewinnstrategie für P, wenn die Ausgangsstellung (nach Setzen der These) eine Gewinnstellung für P ist. Eine Stellung ist eine Gewinnstellung für P, wenn P zu jeder möglichen Zugwahl von O mindestens einen Zug zur Verfügung hat, der den Dialog gewinnt oder wieder zu einer Gewinnstellung für P führt.
[5] Diesbezügliche Beweise finden sich u.a. in Barth/Krabbe [1982], Krabbe [1985] und Rahman [1993].
[6] In der Literatur zur Dialogischen Logik sind auch andere Konventionen zur Notation von Dialogen gebräuchlich. Insbesondere werden die einzelnen Züge meist in der Reihenfolge notiert, in der sie auch im Dialog ausgeführt werden. Diese Notation kann unter Umständen bei der Beweisführung von Metatheoremen von Vorteil sein. Wir haben uns dagegen dafür entschieden, jeweils Angriff und zugehörige Verteidigung in einer Zeile zu notieren, da dies zum einen für das eigenständige Spielen von Dialogen hilfreich ist (man sieht stets, welche Angriffe noch nicht verteidigt sind), und da zum anderen der Begriff der Runde für die Formulierung von Strategientableaux wichtig ist (siehe Abschnitt II).
[7] Bei den Dialogkontexten handelt es sich um die dialogischen Gegenstücke zu den möglichen Welten in der Standard-Kripke-Semantik für Modallogik (für eine Einführung in die nicht-dialogische Modallogik s. z.B. Hughes/Cresswell [1978]).
[8] Dieses Numerierungssystem entspricht genau demjenigen für die möglichen Welten in Fitting [1993].
[9] Wir folgen in diesem Aufsatz der allgemein üblichen Notation mit ‘Ñ’ für den Notwendigkeits- und ‘Ë’ für den Möglichkeitsoperator. Vielleicht ist es einer Überlegung wert, statt dieser Zeichen wie in Lorenz [1995] ‘<’ und ‘=’ zu verwenden, da die Modaloperatoren offensichtliche Parallelen zu den Quantoren aufweisen.
[10] Aus strategischen Überlegungen ergibt sich sehr leicht, daß es für O nie ein Fehler sein kann, einen neuen Dialogkontext zu eröffnen. Dies liegt daran, daß P bei formaler Rahmenregelung nur gewinnen kann, wenn er eine Primformel, die O in einem Dialogkontext gesetzt hat, übernimmt, um erfolgreich anzugreifen, oder sich zu verteidigen. Deshalb wird P bestrebt sein, die Argumentation möglichst immer in solchen Dialogkontexten stattfinden zu lassen, in denen O möglichst viele (bzw. die richtigen) Formeln schon selbst gesetzt hat. Analog wird O, um den Gewinn von P möglichst zu verhindern, immer versuchen, die Argumentation, in neue Dialogkontexte überzuleiten, in denen er noch nichts zugegeben hat.
In der Folge nehmen wir deshalb immer an, daß O bei Dialogkontext-Wahlen immer einen neuen Dialogkontext eröffnet (wenn die Nicht-Verzögerungsregel dies erlaubt). Für den Fall, daß er das nicht tun würde, und einen schon vorhandenen Kontext wählte, so würde dieser damit automatisch zu einem untergeordneten Dialogkontext gegenüber dem Dialogkontext, in dem die Wahl stattgefunden hat. (So kann es dann auch vorkommen, daß ein Dialogkontext gegenüber einem anderen sowohl unter- als auch übergeordnet ist.) Entsprechend sind die Definitionen der Unter- oder Überordnung beliebiger Stufe zu erweitern.
[11] Diese Regel entspricht der Reflexivität der Relation R, die in der Standard-Semantik zwischen den möglichen Welten besteht. Läßt man diese Regel weg, erhält man die dialogischen Gegenstücke zu den Systemen ohne Reflexivität, in denen Beispiel 3 (s. später) für P nicht mehr gewinnbar ist.
[12] Die modalen Rahmenregeln sind so formuliert, daß P in den Systemen B, S4 und S5 gegenüber T zusätzliche Zugmöglichkeiten erhält, aber keine einbüßt. Deshalb ist jede in DML-T-k (bzw. DML-T-e) gültige Formel auch in allen anderen klassischen (bzw. effektiven) Systemen gültig. Entsprechende Verhältnisse bestehen auch zwischen B- und S5-Gültigkeit, sowie zwischen S4- und S5-Gültigkeit.
[13] Daß auch ein übergeordneter Dialogkontext gewählt werden kann, entspricht der Symmetrie von R in der Standardsemantik.
[14] Die Änderung von T zu S4, die darin besteht, daß in S4 untergeordnete Dialogkontexte beliebiger Stufe ausgewählt werden können, entspricht der Hinzunahme der Transitivität von R in der Standard-Semantik.
[15] In der Standard-Semantik ist R reflexiv, symmetrisch und transitiv.
[16] Vgl. Barcan [1962].
[17] Für eine ausführliche Diskussion dieses Punktes vergleiche Rahman/Rückert/Fischmann [1999].
[18] Die Verwendung des Buchstabens ‘O’ im Suffix soll also andeuten, daß nur noch die O-bezeichneten Formeln dieses Zweiges erhalten bleiben. Bei P-bezeichneten Formeln, die oberhalb einer Verzweigung stehen, und damit also zu beiden folgenden Zweigen gehören, muß beachtet werden, daß sie eventuell nur für einen Zweig ausgestrichen werden.
[19] S. Rahman [1993].
[20] Die in der Folge vervollständigten Tableaux-Systeme haben starke Ähnlichkeit mit denen in Fitting [1993].
[21] Diese strategischen Überlegungen zu den Modaloperatoren entsprechen genau denjenigen zu den Quantoren (vergleiche z.B. Fußnote 10), mit dem Unterschied, daß P im Falle der Quantoren neue Konstanten einführen darf, im Falle der Modaloperatoren aber keine neuen Dialogkontexte eröffnen kann.
[22] Vgl. z.B. Kripke [1963a] und [1963b].
[23] Die Übersetzung der Strategien-Verfahren für B und für die modale Quantorenlogik in bekannte Tableaux-Systeme sollte aufgrund der gegebenen Hinweise klar sein. Vgl. zu diesem Punkt auch die klassische Literatur über semantische Tableaux für Modallogik: Hintikka [1957], [1961], [1962], [1963], Guillaume [1958], Kripke [1963a] und [1963b] (für einen Überblick siehe Bull/Segerberg [1984]).
[24] Vgl. Hughes/Cresswell [1978], Kapitel 5 und 6.
[25] Diese Regeln sollen die Zugänglichkeitsrelation der Kripke-Systeme widerspiegeln.
[26] Eine ausführlichere Diskussion der Besonderheiten und daraus resultierenden Vorteile des dialogischen Ansatzes findet sich in Rückert [1999].
[27] Aus dialogischer Sicht werden diese beiden Ebenen in anderen Ansätzen vermischt, bzw. es spielt sich alles immer schon auf der Strategieebene ab.
[28] Vergleiche Rahman/Rückert [1998-99].
[29] Diese Vorgehensweise entspricht dem im Zusammenhang mit der Display Logic sogenannten Dosen’s Principle (vgl. Wansing [1994]).
[30] Vergleiche Rahman/Carnielli [1998] und Fischmann/Rahman/Rückert [1999].
[31] Für eine Kombination von freier mit parakonsistenter Logik, u.a. zur Behandlung von Fiktionen, s. Rahman [1999a] und [1999b].
[32] Diese Regel, die mit ähnlichem Wortlaut auch schon in Fuhrmann [1985] verwendet wurde, birgt einige Probleme. Im Anhang findet sich eine ausführlichere Formulierung.
[33] Rahman/Roetti [1999] schlagen eine gegenüber der intuitionistischen duale Rahmenregelung zur Formulierung parakonsistenter Logiken vor. Für diesen Fall müßte auch die Nicht-Verzögerungsregel entsprechend abgeändert werden.
[34] Für die Formulierung der Nicht-Verzögerungsregel für die in Rahman/Rückert/Fischmann [1999] vorgeschlagenen dialogischen freien Logiken, müßte beachtet werden, daß neben der Einführung neuer Primformeln und Dialogkontexte (mit ihren Zulässigkeitsrelationen) auch die Einführung neuer Konstanten relevant ist.
[35] Für eine ausführlichere Behandlung dieses Problems im Zusammenhang mit einer dialogischen Fassung des modallogischen Systems G vgl. Nortmann [2000].